ReNo-Ausbildung


Ausbildung zum/r Rechtsanwaltsfachangestellten und zum/r Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten.

Die Ausbildung wird bundeseinheitlich durch die Ausbildungsverordnung über die Berufsausbildung zum/r Rechtsanwaltsfachangestellten und Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten vom 23.11.1987 in der jeweils gültigen Fassung geregelt (ReNoPatAusbV BGBl. l, S. 2392). Für Ausbildungsverhältnisse ab dem 01.08.2015 gilt die  pdf ReNoPat-Ausbildungsverordnung (90 KB) vom 29.08.2014.

Gemeinsamer Teil der Ausbildung für alle genannten Berufe sind im ersten Ausbildungsjahr insbesondere die Grundsätze der Büropraxis und Büroorganisation und Grundsätze der Rechtsordnung.

Im zweiten und dritten Ausbildungsjahr sind gemeinsame Teile der Ausbildung für die genannten Berufe die Beschäftigung mit wesentlichen Vorschriften des Berufsrechts der Anwälte und Notare, dem Aufbau und den Aufgaben der Rechtspflege sowie Aneignung von grundsätzlichen Kenntnissen und Fertigkeiten in der Büropraxis.

Daneben lernen die Auszubildenden die besonderen Teile des Ausbildungsberufsbildes für die Rechtsanwaltsfachangestellten und ebenso für die Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten kennen.

In dem Ausbildungsberufsbild für die RA-Fachangestellten ist schwerpunktmäßig die Mitarbeit bei der Behandlung von Fällen aus den verschiedenen Rechtsgebieten, Mitarbeit in Zwangsvollstreckungsangelegenheiten und Erstellen von Vergütungsrechnungen; die Schwerpunkte bei dem Ausbildungsberufsbild für die ReNo-Fachangestellten sind in der Mitarbeit bei der Bearbeitung von Fällen aus den verschiedenen Rechtsgebieten, Mitarbeit im Urkundswesen und beim Führen der Bücher des Notars, Mitarbeit bei der Abwicklung von Grundstücksangelegenheiten und Erstellung von Kostenrechnungen.

Zugangsvoraussetzungen gibt es nicht; jedoch sollte die Fachoberschulreife vorhanden sein. Gute Chancen hat, wer die deutsche Sprache beherrscht, Organisationstalent und PC Kenntnisse besitzt.

Die Ausbildung dauert 3 Jahre.

Eine vorzeitige Zulassung zur Abschlussprüfung gemäß § 45 Abs. 1 BBiG ist möglich, wenn der Leistungsdurchschnitt in der Kanzlei wie in der Berufsschule bei mindestens 2,0 liegt.

Bei der Ermittlung des Notendurchschnitts werden die Fächer

  • allgemeine Wirtschaftslehre
  • Rechnungswesen
  • Textverarbeitung

jeweils einfach sowie das Fach

  • Recht

doppelt gewichtet. Die Summe ist sodann durch 5 zu teilen (gerundet auf eine Nachkommastelle).

Die Dauer der Probezeit beträgt mindestens einen Monat, höchstens vier Monate (§ 20 BBiG).

Nachweise und Prüfungen

Für die hier genannten Berufe wird zwischen dem zwölften und achtzehnten Monat der Ausbildung eine schriftliche Zwischenprüfung durchgeführt. Die Ausbildungen schließen mit einer schriftlich und mündlich durchgeführten Abschlussprüfung ab.

Ausbildungsvergütung

Die Ausbildungsvergütung ist eine Vereinbarung, die im Ausbildungsvertrag von beiden Seiten festgeschrieben wird.

Die Empfehlungen der Rechtsanwaltskammer hinsichtlich der Ausbildungsvergütung (brutto) lauten seit dem 01.01.2014 wie folgt:

  • 1. Ausbildungsjahr: 550,00 €, mindestens aber 440,00 €
  • 2. Ausbildungsjahr: 600,00 €, mindestens aber 480,00 €
  • 3. Ausbildungsjahr: 650,00 €, mindestens aber 520,00 €

Die Vergütungsempfehlungen sind letztmals mit Wirkung ab dem 1. Januar 2011 erhöht worden. Grund für die neuerliche Erhöhung der Empfehlungen durch den Kammervorstand ist ein Vergütungsvergleich mit anderen Ausbildungsberufen, mit denen die Anwaltschaft im Wettbewerb um qualifizierte Auszubildende in Konkurrenz steht. Die Ausbildungsvergütung stellt ein maßgebliches, wenn auch nicht allein ausschlaggebendes, Kriterium der Attraktivität eines Ausbildungsberufes dar.

Die Empfehlungen der Rechtsanwaltskammer Hamm haben insofern verbindlichen Charakter für die Ausbildenden, als gemäß § 17 Abs. 1 BBiG Ausbildende Auszubildenden eine angemessene Vergütung zu gewähren haben. Als unangemessen gilt nach der einschlägigen Rechtsprechung eine Unterschreitung der empfohlenen Ausbildungsvergütung um mehr als 20 %. Ausbildungsverträge, die die Empfehlungen um mehr als 20 % unterschreiten, werden nicht in das Verzeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse eingetragen mit der Folge, dass diese Auszubildenden nicht zur späteren Abschlussprüfung zugelassen werden können.

Die Empfehlungen der Rechtsanwaltskammer gewähren eine Mindestvergütung in den Ausbildungsberufen. Sie begründen keine Bindungswirkung im Sinne einer Obergrenze der zahlbaren Vergütung. Nach den Erfahrungen der Rechtsanwaltskammer kann es angezeigt sein im Wettbewerb um qualifizierte Auszubildende eine höhere Vergütung zu zahlen, als die Kammer empfiehlt. Eine solche Überschreitung der Empfehlungen ist zulässig.

 

Perspektiven/Berufsaussichten

Den Dienstleistungen in Sachen "Recht" gehört die Zukunft. Das Wirtschafts- und Privatleben wird komplexer. Die Nachfrage nach Rechtshilfe und Beratung wird immer größer. Dem/der ausgebildeten Rechtsanwaltsfachangestellten und Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten stehen in vielen Bereichen der Verwaltung und Wirtschaft alle Wege offen.

Ausbildungsberater im Kammerbezirk der Rechtsanwaltskammer Hamm:

  • Rechtsanwalt Udo Weigelt, Arnsberg, Landgerichtsbezirk Arnsberg
  • Rechtsanwältin Friederike von Wiese-Ellermann, Bielefeld, Landgerichtsbezirk Bielefeld
  • Rechtsanwalt und Notar a. D. Udo Bornemann, Bochum, Landgerichtsbezirk Bochum
  • Rechtsanwältin Hildegard Cissée, Detmold, Landgerichtsbezirk Detmold
  • Rechtsanwalt Eugen Michael, Dortmund, Landgerichtsbezirk Dortmund
  • Rechtsanwältin Tanja Langa, Gelsenkirchen, Landgerichtsbezirk Essen
  • Rechtsanwalt Ingo Theissen Graf Schweinitz, Hagen, Landgerichtsbezirk Hagen
  • Rechtsanwalt Dr. Thomas Leuer, Münster, Landgerichtsbezirk Münster
  • Rechtsanwältin Franziska Köneke, Paderborn, Landgerichtsbezirk Paderborn
  • Rechtsanwältin Inge Voß, Olpe, Landgerichtsbezirk Siegen
  • Rechtsanwalt Eckhard Schormann, Siegen, Landgerichtsbezirk Siegen

Beratung der Auszubildenden

  • Rechte und Pflichten aus dem Ausbildungsverhältnis;
  • Verkürzung der Ausbildungszeiten (Anrechnung, Abkürzung, vorzeitige Zulassung) und Verlängerung;
  • Berufsschulbesuch und Teilnahme an Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte;
  • Zwischen- und Abschlussprüfungen (Anmeldung, Zulassung, Anforderungen und Ablauf);
  • Aufstiegs-, Fortbildungs- und Förderungsmöglichkeiten;
  • Hinweise auf Beratungsmöglichkeiten bei Leistungs- und Entwicklungsstörungen.

Berater kontrolliert Ausbildungsqualität

Die Überwachung der Durchführung der Berufsausbildung umfasst insbesondere

  • Art und Einrichtung der Ausbildungsstätte;
  • angemessenes Verhältnis zwischen Ausbildenden/Ausbildern/Fachkräften/Ausbildungsplätzen und Auszubildenden;
  • persönliche und fachliche Eignung der Ausbildenden und Ausbilder;
  • Einhaltung der Ausbildungsordnung und des betrieblichen Ausbildungsplanes;
  • Einhaltung des Verbots der Beschäftigung mit ausbildungsfremden Arbeiten;
  • Freistellung zum Besuch der Berufsschule/von Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte;
  • kostenlose Bereitstellung der Ausbildungsmittel;
  • Anwendung der einschlägigen Vorschriften (z. B. Berufsbildungsgesetz, Jugendarbeitsschutzgesetz, Mutterschutzgesetz und sonstige arbeits- und sozialrechtliche Vorschriften);
  • Erfüllung von Auflagen zur Behebung von Eignungsmängeln.

Beilegung von Streitigkeiten

Bei der Rechtsanwaltskammer besteht zur Beilegung von Streitigkeiten aus einem bestehenden Berufsausbildungsverhältnis ein Ausschuss gemäß § 111 Abs. 2 des ArbGG. Dieser ist vor Inanspruchnahme des Arbeitsgerichts anzurufen.

Die wichtigsten Gesetze

Das Berufsbildungsgesetz vom 23.03.2005 (BGBl. I S. 931) enthält Bestimmungen über Begründung, Inhalt und Beendigung des Berufsausbildungsverhältnisses.

Das Berufsbildungsgesetz regelt die Berufsbildung. Darunter versteht es

  • die Berufsausbildungsvorbereitung,
  • die Berufsausbildung,
  • die berufliche Fortbildung,
  • die berufliche Umschulung (§ 1 Abs. 1 BBiG).

Die Ausbildungsordnung hat mindestens festzulegen:

  • die Bezeichnung des Ausbildungsberufes,
  • die Ausbildungsdauer, sie soll nicht mehr als drei und nicht weniger als zwei Jahre betragen,
  • die beruflichen Fertigkeiten und Kenntnisse, die Gegenstand der Berufsausbildung sind,
  • eine Anleitung zur sachlichen und zeitlichen Gliederung der Vermittlung der beruflichen Fertigkeiten und Kenntnisse und Fähigkeiten,
  • die Prüfungsanforderungen (§ 4 Abs. 2 BBiG).

Wer einen anderen zur Berufsausbildung einstellt, hat mit dem Auszubildenden einen Berufsausbildungsvertrag zu schließen (§ 10 Abs. 1 BBiG). Das Berufsbildungsgesetz nennt die Person, die einen Auszubildenden einstellt, den Ausbildenden.

In die Niederschrift sind nach § 11 Abs. 1 BBiG aufzunehmen:

  • Art, sachliche und zeitliche Gliederung sowie Ziel der Berufsausbildung, insbesondere die Berufstätigkeit, für die ausgebildet werden soll,
  • Beginn und Dauer der Berufsausbildung,
  • Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte,
  • Dauer der regelmäßigen täglichen Ausbildungszeit,
  • Dauer der Probezeit,
  • Zahlung und Höhe der Vergütung (§ 17 BBiG),
  • Dauer des Urlaubs,
  • Voraussetzungen, unter denen der Berufsausbildungsvertrag gekündigt werden kann (§ 22 Abs. 1 und 2 BBiG).
  • Der Ausbildende hat den Auszubildenden für die Teilnahme am Berufsschulunterricht freizustellen (§ 15 BBiG).
  • Der gesetzliche Mindesturlaub ist
  • für Jugendliche im Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) und
  • für Erwachsene im Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) festgelegt, Schwerbehinderte haben Anspruch auf Zusatzurlaub (SchwbG).